Somatische Bewegung verstehen
Der Begriff "Somatik" kommt vom griechischen Wort "soma" - der Körper, wie er von innen erlebt wird. Somatische Bewegung ist daher Bewegung, die bewusst von innen wahrgenommen wird.
Die Grundidee
Bei somatischer Bewegung geht es nicht darum, wie eine Übung von außen aussieht. Es geht darum, wie sie sich von innen anfühlt. Dieser Unterschied ist fundamental:
Klassisches Training:
- Fokus auf Form und Technik
- Ziel: Stärker, flexibler, ausdauernder werden
- Anweisung von außen
- Leistungsorientiert
Somatische Bewegung:
- Fokus auf innere Wahrnehmung
- Ziel: Spannungen lösen, Bewusstsein schärfen
- Impulse von innen
- Prozessorientiert
Die Geschichte der Somatik
Thomas Hanna prägte den Begriff "Somatik" in den 1970er Jahren. Er entwickelte ein System, das heute als "Hanna Somatics" bekannt ist. Weitere wichtige Pioniere:
- Moshe Feldenkrais - Feldenkrais-Methode
- F.M. Alexander - Alexander-Technik
- Ida Rolf - Rolfing
- Bonnie Bainbridge Cohen - Body-Mind Centering
Wie wirkt somatische Bewegung?
1. Auf das Nervensystem
Langsame, bewusste Bewegungen aktivieren den Parasympathikus - den "Ruhe-und-Verdauungs"-Teil unseres Nervensystems. Das Gegenteil des Stress-Modus.
2. Auf die Muskulatur
Durch bewusstes Anspannen und Loslassen lernt der Körper, chronische Spannungen zu erkennen und aufzugeben. Thomas Hanna nannte dies "sensory-motor amnesia" - sensorisch-motorisches Vergessen.
3. Auf das Gehirn
Somatische Bewegung schafft neue neuronale Verbindungen. Das Gehirn lernt, den Körper wieder vollständig zu spüren und zu steuern.
Für wen ist Somatik geeignet?
Somatische Bewegung eignet sich besonders für Menschen mit:
- Chronischen Verspannungen
- Rückenschmerzen
- Stress und Burnout
- Bewegungseinschränkungen
- Trauma-Erfahrungen
- Dem Wunsch nach mehr Körperbewusstsein
Das Schöne: Es gibt keine Altersbegrenzung und keine körperlichen Voraussetzungen. Jeder kann somatische Bewegung praktizieren.
Der Unterschied zu Yoga
Oft werden Somatik und Yoga verwechselt. Der Hauptunterschied:
Yoga hat oft feste Formen (Asanas), die erreicht werden sollen. Der Körper passt sich der Form an.
Somatik hat keine festen Formen. Die Bewegung passt sich dem Körper an. Es gibt kein "richtig" oder "falsch" - nur Wahrnehmung.
Beide Ansätze können sich wunderbar ergänzen.