📖 8 MinAktualisiert: 2026-01-03

Trauma im Körper: Wie somatische Arbeit hilft

Warum Trauma im Körper gespeichert wird und wie somatische Übungen bei der Verarbeitung helfen können.

Trauma verstehen: Der Körper vergisst nicht

"Der Körper erinnert sich" - dieser Satz fasst zusammen, was die moderne Traumaforschung zeigt: Traumatische Erlebnisse werden nicht nur im Gehirn, sondern auch im Körper gespeichert.

Was passiert bei einem Trauma?

Bei einer überwältigenden Erfahrung kann das Nervensystem nicht wie gewohnt reagieren:

1. Flucht oder Kampf nicht möglich → Die Energie bleibt "stecken"

2. Einfrieren (Freeze) → Der Körper erstarrt als Schutzreaktion

3. Unvollständige Reaktion → Das Nervensystem bleibt in Alarmbereitschaft

Wie speichert der Körper Trauma?

Muskuläre Spannungsmuster:

  • Chronische Verspannungen (besonders Nacken, Schultern, Hüfte)
  • "Schutzhaltungen" des Körpers
  • Eingeschränkte Beweglichkeit

Nervensystem-Dysregulation:

  • Hypervigilanz (ständige Wachsamkeit)
  • Schreckhaftigkeit
  • Schwierigkeit, sich zu entspannen

Körperliche Symptome:

  • Verdauungsprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Chronische Erschöpfung
  • Schlafstörungen

Warum Reden allein oft nicht reicht

Traditionelle Gesprächstherapie arbeitet hauptsächlich mit dem "denkenden Gehirn" (Neokortex). Doch Trauma sitzt tiefer - in den älteren Gehirnbereichen und im Körpergedächtnis.

Peter Levine, Entwickler von Somatic Experiencing, sagt: "Trauma ist nicht das, was uns passiert ist, sondern das, was in unserem Nervensystem als Reaktion darauf gefangen bleibt."

Wie somatische Arbeit hilft

1. Ressourcen aufbauen

Bevor wir uns Trauma nähern, stärken wir die Fähigkeit des Körpers, sich selbst zu regulieren:

  • Sichere Orte im Körper finden
  • Erdungsübungen
  • Atemtechniken

2. Spannungen sanft lösen

Durch langsame, bewusste Bewegungen:

  • Gefrorene Muskeln mobilisieren
  • Unterdrückte Bewegungsimpulse vervollständigen
  • Nervensystem von Stück zu Stück zurückkalibrieren

3. Pendeln (Titration)

Wir arbeiten nie direkt mit dem Trauma, sondern pendeln zwischen:

  • Ressourcen (sichere Empfindungen)
  • Leichter Aktivierung (minimale Berührung des Traumas)
  • Wieder zurück zu Ressourcen

So kann das Nervensystem langsam lernen, die gespeicherte Energie zu entladen - ohne überwältigt zu werden.

Wichtige Hinweise

Somatische Übungen zur Selbstfürsorge:

  • Können das Nervensystem stabilisieren
  • Helfen bei leichten Stresssymptomen
  • Sind eine gute Ergänzung zu Therapie

Bei schweren Traumata:

  • Arbeite mit einem qualifizierten Therapeuten
  • Somatic Experiencing, NARM, oder andere körperorientierte Traumatherapie
  • Selbstarbeit kann destabilisierend sein

Somatische Übungen ersetzen keine Therapie, können aber ein wertvoller Teil des Heilungsweges sein.

Themen in diesem Artikel:

Trauma im KörperTrauma lösenKörpertrauma